Im Rahmen der internationalen Städtepartnerschaft fand am 3. Septemberwochenende der Besuch der englischen Freunde aus Letchworth in Wissen statt. Nach der individuellen Anreise der Gäste (dazu unten mehr) hatte Waltraud Hammann bereits für den Freitag einen Ausflug organisiert, der alle begeisterte. Auch weil sie es nicht versäumt hatte, für ein herrlich hochsommerliches Wetter zu sorgen – wie man ihr dankend attestierte.
Ziel des Ausflugs war Rüdesheim, das – wie die englischen Teilnehmer schnell erfuhren – mehr ist, als nur die Drosselgasse. Die Hinfahrt erfolgte über Lahnstein und dann am Rhein entlang. Auf der Höhe des Loreley Felsens wusste so mancher der englischen Freunde die Melodie „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ mit anzustimmen.
Gleich nach der Ankunft ging es mit der Kabinenbahn hinauf zum Niederwald. Hier erhielten die Teilnehmer einige wesentliche Fakten über die Germania und den geschichtlichen Hintergrund für die Errichtung des Denkmals. Nach der Stärkung auf der Panoramaterrasse des Restaurants am Denkmal setzte ein großer Teil der Gruppe den Weg auf der soge-nannten Ringtour fort. Dieser Weg führt mit immer neuen Blicken auf Bingen, den Hunsrück, die Nahemündung vorbei an der Burgruine Rossel und der Zauberhöhle bis zum Jagdschloss mit seinem großen Wildgehege.
Mit dem Sessellift und der Aussicht auf die bekannte Rotweingemeinde Assmannshausen, das Rheintal und die gegenüberliegende Burg Rheinstein ging es schließlich wieder hinunter. Eine dreiviertelstündige Schifffahrt von Assmannshausen, vorbei am Mäuseturm und der Burgruine Ehrenfels, zurück nach Rüdesheim krönte diesen herrlichen Ausflug.
Der zweite Tag des Partnerschaftsbesuches war dann den Aktivitäten mit den Gastfamilien vorbehalten. Bevor sich am Sonntagmorgen alle wieder zu einem Stadtrundgang durch Wissen trafen. Trotz heftigen Wetterumschwungs versammelten sich die englischen Gäste und ihre Gastgeber im Bahnhofsgebäude. Hier wurde die 30-köpfige Gruppe herzlich begrüßt von der Stadtführerin Christiane Weber. Die Übersetzung für die englischen Teilnehmer übernahm Bernd Kuball.
Mit Blick auf das ehemalige Walzwerk erläutert die Stadtführerin die Industriegeschichte der Stadt bis hin zur aktuellen Nutzung der Hallen. Dann ging es mit vielen interessanten Infor-mationen durch die Gemeinde. Dabei fand Christiane Weber die besondere Aufmerksamkeit der Teilnehmer des Rundgangs immer dann, wenn sie Personen aus der Geschichte der Stadt vorstellte: Den umtriebigen Pfarrer Anton Joseph Steinbusch, nach dem Wissens Ort der Begegnung und des Erinnerns – der Mehrgenerationenpark – benannt ist. Oder Tierarzt Dr. Buchen, der einen Operationstisch für Pferde, Rinder und – nach einer Anfrage aus Dubai – auch für Kamele entwickelte. Vor den Marktstuben fesselte die Stadtführerin ihre Zuhörer mit der Geschichte von Gräfin Sophie von Hatzfeldt und Ferdinand Lassalle.
An der katholischen Kirche „Kreuzerhöhung“ endete die Interessante Stadtführung. Mit einem herzlichen Applaus bedankten sich die Teilnehmer.
Zum Abschluss des Partnerschaftsbesuches trafen sich die ICW-Mitglieder mit ihren englischen Gästen am Nachmittag in der „Alten Mühle“ in Stein-Wingert. Hier ließ man die Eindrücke dieses Wochenendes noch einmal Revue passieren und schmiedete bereits erste Pläne für den Gegenbesuch im kommenden Jahr.
Mit Erinnerungen an viele schöne Begegnungen machten sich die englischen Gäste am Montag wieder auf den Heimweg – individuell mit der Bahn oder dem Flugzeug. Wegen der stark gestiegenen Buskosten reisten die Freunde aus Letchworth erstmals seit Beginn der Partnerschaft zwischen den beiden Städten auf diesem Weg an. Aber auch diese Anreisen waren für die Teilnehmer eine teure Angelegenheit. So musste beispielsweise – je nach Buchung – für die Fahrt mit der Bahn (Eurostar, ICE) pro Person zwischen 300 und 400 Euro bezahlt werden. Da steht am Ende dieses Wochenendes die bedrückende Frage im Raum: Werden an solchen Treffen zukünftig nur noch Besserverdienende teilnehmen können? Die Mitglieder des ICW und auch ihre Gäste aus England waren sich darin einig, dass das Fortbestehen ihrer Städtepartnerschaften nicht an der Finanzierung scheitern darf. Alle Bevölkerungsschichten, auch und gerade Familien mit Kindern sollten daran teilnehmen können. In allen beteiligten Ländern wird nach Lösungen zu suchen sein. Denn nicht zuletzt das neue, von Arnold Morkramer geschaffene Denkmal im Mehrgenerationenpark sollte uns mahnen, den Weg der friedlichen und freundschaftlichen Begegnungen von Menschen verschiedener Nationen fortzusetzen. Das Mahnmal trägt den Titel: „Unheilvolle Kriege und beginnende Freundschaft“. (Rolf Bamberger)